Von Rentieren und Delfinen

Wir blieben nach unserem letzten Blog-Eintrag noch auf dem Campingplatz und gingen noch auf eine kleine Wanderung auf eine Anhöhe in der Nähe, von wo aus wir einen herrlichen Ausblick auf das Tal und den Campingplatz genießen konnten.

Nach einer erholsamen Nacht brachen wir am nächsten Tag früh Richtung Nordkapp auf. Wir fuhren durch eine atemberaubende Landschaft aus Bergen, Steppen und Fjorden und wunderten uns, wo die ganzen Retiere blieben, die wir eigentlich erwartet hätten. Viele hatten uns erzählt, dass ihre Anzahl je weiter man in den Norden fährt auch zunimmt. Doch außer den beiden Tieren in Schweden hatten wir bislang noch keine zu Gesicht bekommen.

Wir übernachteten nach einer langen Fahrt auf einem schönen Areal an einem Fjord, auf dem verstreut schon einige Camper standen. Nun wurde es auch schon merklich kälter, aber das war uns ja von Anfang an bewusst. Am nächsten Tag ging es dann weiter und nachdem sich unser Bus mühsam auf eine Ebene gekämpft hat, fuhren wir durch eine weitläufige und wunderschöne Landschaft und Rentiergebiet. Wir hielten unsere Augen offen und dann endlich sahen wir welche und das nicht zu knapp.

Mittlerweile hatten wir schon eine gute Strecke zum Nordkapp hinter uns und als wir dann die Küstenstraße hinauffuhren, durften wir noch einen Blick auf einen weiteren Adler werfen. Der Tag wurde immer tierischer.

Die Küstenstraße war von wilder und rauer Landschaft geprägt. Buchten und Steilküsten wechselten sich ab und es wurde immer nebliger und vereinzelt regnerisch.

Etwa 30km vor dem Nordkapp mussten wir plötzlich anhalten. Da war doch eine Finne im Wasser zu sehen. Was wir erst für Orcas hielten, stellte sich als Delfine heraus, die gerade recht nah an der Küste an einem Fjordarm auf Fischfang waren. Mit Sprüngen und schnellen Manövern boten sie uns eine unvergleichliche Show und Dominik konnte mit seiner Kamera das Geschehen einfangen. Nach etwa 15 Minuten war das Spektakel auch schon vorbei und die Delfine zogen seelenruhig weiter. Was für ein Glück für uns, im richtigen Augenblick vorbei gekommen zu sein.

Etwa 20km vor dem Nordkapp hielten wir auf einem Parkplatz, um dort die Nacht zu verbringen, ehe wir am nächsten Tag ganz hoch wollten. Das Wetter wurde immer schlechter und draußen war es kalt, nass und windig – kein Ort zum längeren verweilen. Wir schmissen unsere Standheizung an, die auch die ganze Nacht laufen musste. Wir waren froh um diesen Luxus und wir beneideten das Pärchen, das anscheinend neben uns im PKW schlief, nicht. Am nächsten Tag war das Wetter auch nicht besser, aber immerhin regnete es nicht. Wir fuhren zum Nordkapp, bezahlten einen überteuerten Eintritt für das Besucherzentrum, das dort errichtet war. (Es gab keine andere Möglichkeit, um das Nordkapp zu besichtigen) So nahmen wir uns auch die Zeit, um uns die Installationen und Informationen anzuschauen. Neben einem Souvernirshop gab es auch ein Postamt und einige Restaurants, die vor allem mit exklusiven Erlebnissen priesen (Nordkapp-Sekt und Meeresfrüchte). Wir begnügten uns mit einem überteuerten Sticker (3€) für unseren Kühlschrank als Andenken und wagten uns auch nur kurz an den Rand des Nordkapps. Es war kalt und ungemütlich.

Schon um die Mittagszeit setzten wir unsere Fahrt fort. Nun ging es nur noch Richtung Süden und wir freuten uns schon auf wärmere Temperaturen. Noch am selben Tag erreichten wir die finnische Grenze und befanden uns nun in der tiefsten Wildnis im Norden von Finnland. Rechts und links der Straße erstreckten sich jeweils Nationalparks und man wird darauf aufmerksam gemacht, dass der gesamte Norden Finnlands Rentierzuchtgebiet ist.

Mittendrin suchten wir uns einen schönen Stellplatz für die Nacht und waren froh, dass es inzwischen kaum noch Mücken in dem Gebiet gab. (Es hatte nachts schon gefroren, sodass die Mückenplage vom Juni/Juli gebannt war) Am nächsten Morgen schnappte sich Dominik Bunji, um ein wenig die nähere Umgebung zu erkunden, während Mareike sich um den „Haushalt“ kümmerte. Nach etwa zwei Stunden kamen die Jungs wieder, nachdem sie sich heillos verlaufen und nur durch das Wiederfinden der Straße zurück gefunden hatten. Während der Weiterfahrt erkundigten wir uns über die Gegend und erfuhren, dass hier nicht nur Rentiere, sondern auch Bären und Wölfe beheimatet sind. (Wir hielten die Augen stets offen, sahen aber keine) Die Landschaft war durch viel Wald, Berge, Steppe, Sümpfe, Flüsse und Seen geprägt. Auf Zivilisation trafen wir selten, kein Wunder, denn im aktuellen Hochsommer waren die 10°C, die wir hatten, normal. Auch wenn die Natur beeindruckend war, so konnten wir uns nicht vorstellen, hier zu leben. Mitten in dieser Einsamkeit fanden wir auch einen schönen Stellplatz und verbrachten die Nacht in der Stille der Natur an einem See. Für den folgenden Tag hatten wir uns das Etappenziel „Ostsee“ gesteckt. Wir fuhren los und beschlossen nach einiger zeit, noch eine kleine Wandertour durch den Wald zu machen. Wir machten uns von einem Parkplatz aus auf den Weg zu einem Aussichtsturm und bereuten dieses Unterfangen nicht. Die Aussicht war herrlich und der Weg abwechslungsreich und schön.

Am Abend erreichten wir dann die Ostssee und stellten uns auf eine vorgelagerte Halbinsel an einen Strand. Zwar ist ein Industriehafen in der Nähe, aber ansonsten war der Platz ruhig und einsam. Nun wird es auch langsam wärmer und für heute sind hier 20°C angekündigt. So suchten wir uns einen Campingplatz am Meer und schreiben von hier nun den Blog. Nächste Woche steht dann der Süden Finnlands auf dem Programm.

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